Eine überaktive Blase ist ein häufiger Zustand, der mit einem plötzlichen, nicht aufschiebbaren Harndrang (Urgency), häufigem Wasserlassen und nächtlichem Aufwachen verläuft. Manchmal begleitet ihn eine Harninkontinenz. Auch wenn er die Lebensqualität deutlich mindert, ist er nichts, wofür man sich schämen müsste, und es gibt wirksame Behandlungsmöglichkeiten.
Formen der Harninkontinenz
- Drangform: Die Toilette wegen eines plötzlichen, starken Harndrangs nicht rechtzeitig erreichen. Es ist das typische Symptom einer überaktiven Blase.
- Belastungsform: Tröpfchenweiser Urinverlust beim Husten, Niesen, Lachen oder Heben.
- Mischform: Das gleichzeitige Vorliegen von Drang- und Belastungsform.
- Überlaufform: Kontinuierlicher Urinverlust in kleinen Mengen infolge unvollständiger Blasenentleerung (zum Beispiel bei fortgeschrittener Prostatavergrößerung).
Warum tritt sie auf?
Bei einer überaktiven Blase zieht sich der Blasenmuskel oft unangemessen früh zusammen. Alter, frühere Infektionen, neurologische Zustände, Prostatavergrößerung, Koffein und manche Getränke können das Bild auslösen. Bei Frauen spielen Geburt und Menopause bei der Belastungsform eine Rolle.
Wie wird sie diagnostiziert?
Die Diagnose erfolgt anhand der Beschwerden, eines Miktionstagebuchs, der Untersuchung und eines Urintests. Bei Bedarf werden fortgeschrittene Tests wie Ultraschall und Urodynamik eingesetzt, um die Blasenentleerung zu beurteilen.
Harninkontinenz ist kein unvermeidlicher Teil des Alterns. Die meisten Patienten fühlen sich mit einfachen Schritten deutlich besser.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung ist stufenweise und wird individuell geplant:
- Lebensstil: Flüssigkeits- und Koffeinanpassung, Gewichtskontrolle.
- Blasentraining und Beckenbodenübungen: Der erste und wirksame Schritt bei den meisten Patienten.
- Medikamente: Medikamente, die die übermäßige Kontraktion des Blasenmuskels verringern.
- Fortgeschrittene Optionen: Bei ausgewählten Patienten, bei denen kein ausreichendes Ansprechen erzielt wird, Blasen-Botox-Anwendung oder Nervenstimulation (Neuromodulation).
Bei der Belastungsform treten Beckenbodenübungen in den Vordergrund; chirurgische Optionen werden bei Bedarf in Betracht gezogen.
Wann sollten Sie zum Arzt?
Wenn die Beschwerden Ihr Alltagsleben, Ihren Schlaf oder Ihr soziales Leben beeinträchtigen, suchen Sie einen Urologen auf. Wenn plötzlich auftretender Urinverlust, Blut im Urin oder Schmerzen sie begleiten, hat die Abklärung Vorrang.